Was man beim Kauf einer Rassekatze beachten sollte


Was ist beim Kauf einer Rassekatze zu beachten? Die Anschaffung eines Haustiers sollte niemals aus einer spontanen Laune heraus erfolgen, sie sollte gut überlegt werden und in jedem Fall mit allen im Haushalt lebenden Personen abgesprochen werden, eventuell auch beim Vermieter nachfragen, ob Haustiere erwünscht sind…   So kann man Probleme die durch Nichtkommunikation entstehen können, im Vorfeld angehen.

Ist die Wahl auf ein bestimmtes Tier, eine spezielle Rasse gefallen, so sollten nicht nur optische Gründe zur Entscheidungsfindung beitragen, das Tier sollte auch von seinen Eigenschaften her, zu seinem Besitzer passen, daher sollte man sich über die favorisierte Rasse umfangreich informieren, bevor man sich letztendlich festlegt und ein Tier anschafft. Niemals übereilt handeln, lassen Sie sich Zeit…

Im Internet finden sich verschiedene Aussagen darüber, woran man einen seriösen Züchter erkennen könnte, unter anderem an einer professionellen, gepflegten Website, daran, dass ein Züchter mit seinen Tieren auf Ausstellungen geht – im besten Falle noch Preise gewinnt – und vor allem, dass die Kitten einen Stammbaum haben…

Für mich steht keiner dieser Punkte zwangsläufig für eine seriöse Zucht. An einer aufwendigen, professionellen, aktuellen Website, könne man erkennen, dass der Züchter weder Kosten noch Mühen scheue seine Zucht zu präsentieren…   Naja, früher sagte man ja Papier ist geduldig und heute muss man sagen, nicht alles was im Internet veröffentlicht wird, entspricht eins zu eins den Tatsachen. Schöne Bilder von Katzen und deren Umgebung sind sehr ansprechend, aber in Zeiten des Photoshop kann inzwischen jeder jedes Bild so bearbeiten, dass es mit dem Original nur noch wenig Ähnlichkeit aufweist. Wir leben in einer Zeit des schönen Scheins…   Ich war einmal auf ein sehr schön gestalteten Website, mit schönen professionellen Bildern, über die Aufzucht der Kitten hieß es dort: „Sie wachsen mitten im Wohnzimmer auf, dem Lebensmittelpunkt der gesamten Familie und sind daher bei ihrer Abgabe bestens sozialisiert…“ und auf der Startseite fand sich ganz groß die Meldung: „Wir haben Kitten“ – mit Bildern selbstverständlich. Da ich Interesse hatte, rief ich an und erfuhr dort von der Züchterin auch einiges über die Kitten. Nur als ich den Wunsch äußerte die Kitten vor einer Kaufentscheidung unbedingt vor Ort anzuschauen zu wollen reagierte sie ausweichend, schließlich rückte sie damit heraus, dass es sich gar nicht um ihre Kitten handelte, sondern um die einer „Freundin“, ja, dass sie die Kitten nicht einmal selbst gesehen hatte, sondern lediglich dieser Freundin einen Gefallen tun wollte indem sie deren Kitten über ihrer Website anbot und suggerierte es wären Kitten aus ihrer Zucht. Ich mutmaßte gegen eine gewisse Gebühr…   Seriös klang das für mich eher weniger.

Die Tatsache, dass ein Züchter mit seinen Tieren auf Ausstellungen geht und dort womöglich noch Preise abräumt, sagt doch nur aus, dass das Tier von der Ausstellung sehr schön gepflegt, vermutlich gesund ist und Papiere hat. Es sagt aber rein gar nichts darüber aus, ob die Kitten dieser Tiere artgerecht aufgezogen und gut sozialisiert werden, wie dieser traurige (hoffentlich) Einzelfall einer hoch prämierten Katzenzüchterin aus Bayern zeigt: zum Artikel

Um sicher zu gehen, dass man wirklich ein reinrassiges Tier erwirbt ist ein Stammbaum natürlich unerlässlich, denn er bestätigt nicht nur die Reinrassigkeit, er lässt auch eine Rückverfolgung der Generationen zu, aus welchen Verpaarungen die Eltern und Großeltern kommen, was wichtig sein kann, wenn man mit der Katze später evtl. selbst züchten möchte…   Damit Kitten einen Stammbaum bekommen können, müssen auch beide Elterntiere über einen solchen verfügen und der Züchter muss in einem Katzenverein gemeldet sein, denn nur die dürfen Stammbäume ausgeben. Um in einem Katzenverein Mitglied zu werden, muss der Züchter, die vom Verein vorgegebenen Richtlinien einhalten, z.B. darf eine Zuchtkatze nicht mehr als drei Würfe in zwei Jahren bekommen. Viele Vereine fragen auch beim Züchter die Bedingungen ab unter welchen die Katzen gehalten werden, z.B. Größe der Wohnfläche, die für die Katzen zugänglich ist, wieviel Menschen und weitere Tiere noch in dem Haushalt leben, ob es die Möglichkeit eines kontrollierten Freigangs gibt, usw…   Aber die Katzenvereine müssen darauf vertrauen, dass die Informationen, die gemacht werden, auch wahr sind. Sie haben keine Kontrollmöglichkeiten und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz: auf dem Formular können die Bedingungen einer Katzenzucht geradezu paradiesisch sein, nur müssen sie eben nicht immer der Realität übereinstimmen. Wenn pro Zuchtkatze nur drei Würfe in zwei Jahren erlaubt sind, so kann man, wenn man skrupellos genug ist, das arme Tier trotzdem öfter werfen lassen, man meldet diesen Wurf eben einfach nicht beim Verein an. Man bekommt dann zwar auch keine Papiere, kann diesen sogenannten „Schwarzwurf“ dann immer noch als Rassekatzen verkaufen, aber eben ohne Papiere…   Leider sagt somit auch ein Stammbaum recht wenig über artgerechte Haltung und gute Sozialisierung der Kitten und Seriosität des Züchters aus.

Deshalb ist es unerlässlich vor dem Kauf eines Kittens, dieses unbedingt Zuhause bei seinem Züchter zu besuchen und seinen Lebensraum dort genau in Augenschein zu nehmen. Werden die Mutter samt Kitten in einem isolierten Raum gehalten, so kann eine gut Sozialisierung und Prägung auf den Menschen nur schwerlich stattfinden…   Werden einem die Kitten im Wohnzimmer präsentiert, sollte man darauf achten ob es dort auch Spiel- und Tobemöglichkeiten für die Katzen gibt oder aber außer der Anwesenheit der Katzen sonst gar nichts auf Katzenhaltung schließen lässt. Dann sind die Kitten womöglich nur zur „Präsentation“ in die Wohnstube gebracht worden…   Wenn die Katzen verspielt, ausgelassen und Menschen gegenüber aufgeschlossen sind, ist meist alles in Ordnung. Sind sie aber ungewöhnlich ruhig, versuchen sie sich zu verstecken und zeigen deutliche Scheu, wenn man auf sie zu geht, so sind wahrscheinlich eher isoliert gehalten und nicht auf Menschen geprägt worden.

Unbedingt sollten man auf saubere Ohren, unverschleierte Augen und einen sauberen After achten und das Fell sollte weich sein, dass alles sind Zeichen für die Gesundheit der Katze…   Der Katzenzüchter sollte sich auch Zeit nehmen und Fragen an den interessierten Käufer stellen z.B. über die Lebensbedingungen die das Kitten dort vorfindet etc. Von Kittenverkäufen vor der Haustür, an „neutralen“ Übergabeorten, über Mittelsmänner und Anzahlungen für ein Tier das man nicht persönlich gesehen hat, ist wirklich dringend abzuraten.

Normalerweise wird der Kauf eines Kittens mit einem Kaufvertrag getätigt. Der Käufer sollte darauf achten, dass alle im Kaufvertrag vom Züchter zugesagten Unterlagen, z.B. Impfpass mit allen vorgeschriebenen Impfungen, Kopien evtl. Tests (z.B.  FIV und FelV), Kopien von evtl. Vorsorgeuntersuchungen der Elterntiere, und der Stammbaum mit dem Tier übergeben werden und sich nicht auf später vertrösten lassen. Will man als Käufer auf Nummer Sicher gehen kann man auch noch ein Gesundheitszeugnis für das Kitten anfordern, ausgestellt von einem Tierarzt, welches nicht älter als ein Woche sein sollte…

Aber vor allen Dingen sollte das Kitten, das nun für vielleicht 15 Jahre das Leben seines neuen Besitzers bereichern und teilen soll, dessen Herz erobert haben…

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